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Der Krieg dominiert auch die Wirtschaft

1933 – 1945

Langsam erholt sich Deutschland von der schweren Wirtschaftskrise. Unterdessen bauen Hitlers Regierung und die Verwaltung die Markt- immer mehr zur Kriegswirtschaft um. Mit Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung und dem Einsatz von Zwangsarbeitern schreibt das Wirtschaftsministerium das dunkelste Kapitel seiner Geschichte. 1945 endet der Krieg – und hinterlässt ein zerstörtes Europa.

Männer des Reichsarbeitsdienstes arbeiten im Straßenbau

Männer des Reichsarbeitsdienstes arbeiten im Straßenbau. Der Dienst wird 1935 von den Nationalsozialisten eingeführt als sechsmonatiger Pflichtdienst für junge Männer, der aber auch Frauen offensteht. Ziel ist, die Arbeitslosigkeit zu verringern und junge Menschen im nationalsozialistischen Sinne zu erziehen.

© BArch, B 145 Bild-P022078 / A. Frankl (zugeschnitten)

Während die Menschen noch immer mit Arbeitslosigkeit und anderen Folgen der Weltwirtschaftskrise ringen, zieht die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) die Macht an sich. Das Reichswirtschaftsministerium unterstützt öffentliche Arbeitsbeschaffungsprogramme, von denen insbesondere unausgebildete Arbeiter profitieren.

Männer des Reichsarbeitsdienstes arbeiten in der Landwirtschaft

Neben dem Straßenbau wird der Reichsarbeitsdienst auch in der Landwirtschaft oder zur Begradigung von Wasserwegen eingesetzt.

© BArch, Bild 146-1987-085-19 (zugeschnitten)

Waltraud Roeder: Reichsarbeitsdienst statt Krankenschwesterausbildung
Waltraut Roeder, Jahrgang 1921, berichtet von den Schwierigkeiten ihres Bildungsweges in der Zeit kurz vor und während des Zweiten Weltkrieges. Als Zwischenlösung wählte sie den Reichsarbeitsdienst.

© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland / Zeitzeugenportal / www.zeitzeugen-portal.de

Mitte der 1930er Jahre stabilisiert sich die Lage: Die Industrieproduktion verdoppelt sich binnen weniger Jahre, es herrscht Vollbeschäftigung, doch die Löhne bleiben niedrig. Auch wenn der vergangene Wohlstand nicht wieder einkehrt: Das Schlimmste scheint nun überstanden.

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Entwicklung der Arbeitslosigkeit 1933 – 1939

(in Millionen)

Quelle: Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich 1939/40, S. 389

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Index der Industrieproduktion 1933 – 1944

(1928 = 100)

Quelle: Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch III, Material zur Statistik des Deutschen Reiches 1914 – 1945, S. 61

Von Januar 1933 an verwandeln Hitler und die NSDAP die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik in eine totalitäre Diktatur. Die Industrie verlangt nach immer mehr Rohstoffimporten – für deren Bezahlung die Reichsbank aber die benötigten Fremdwährungen (Devisen) nicht mehr aufbringen kann. Als Ausweg beschließen Wirtschaftsministerium und Reichsbank die planmäßige, staatliche Regelung aller Importe. Bilaterale Abkommen sollen den Devisenmangel beheben und die Rohstoffversorgung sichern.

Reichskanzler Adolf Hitler während seiner Rede zum Ermächtigungsgesetz

Reichskanzler Adolf Hitler während seiner Rede zum Ermächtigungsgesetz im neuen Reichstag. Der Reichstag verabschiedet das Gesetz am 23. März 1933 mit großer Mehrheit; lediglich die Abgeordneten der SPD stimmen nicht zu. Mit dem Gesetz erlangt Hitler die Ermächtigung, ohne Zustimmung von Reichstag und Reichsrat und ohne Gegenzeichnung des Reichspräsidenten Gesetze zu erlassen.

© BArch, Bild 102-14439 / Georg Pahl (zugeschnitten)

Die Devisenkrise zeigt deutlich, wie abhängig Deutschland vom Welthandel ist. Mit seiner Autarkiepolitik macht Hitler die Unabhängigkeit des Deutschen Reiches zum obersten ökonomischen Ziel. Ab 1936 ist die Marktwirtschaft vorerst Vergangenheit. Das Wirtschaftsministerium hat die Aufgabe, die Wirtschaftslenkung zu organisieren und primär an den Erfordernissen des bereits geplanten Krieges auszurichten.

Hitlers geheime Denkschrift über den Vierjahresplan, August 1936 in: Wolfgang Michalka (Hg.), Das Dritte Reich, Bd. 1, München 1985, S. 188 f. ()

I. Die deutsche Armee muß in 4 Jahren einsatzfähig sein. II. Die deutsche Wirtschaft muß in 4 Jahren kriegsfähig sein.

1933 - 1945: Der Krieg dominiert auch die Wirtschaft

© akg-images

Zu dieser Zeit beginnt das dunkelste Kapitel in der Geschichte des Wirtschaftsministeriums: Es beteiligt sich aktiv an den nationalsozialistischen Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung – erst in Deutschland, nach 1939 auch in den besetzten Gebieten Europas. Dazu zählen die systematische Enteignung und die vollständige Verdrängung jüdischer Unternehmer aus der Wirtschaft. Mit der massiven Gewalt der Novemberpogrome 1938 erreicht der Antisemitismus einen ersten Höhepunkt, der schließlich in den Zivilisationsbruch des Holocaust mündet. Doch auch an der Ausbeutung von Millionen Juden, Angehörigen anderer Bevölkerungsgruppen und Kriegsgefangenen durch Zwangsarbeit beteiligt sich das Wirtschaftsministerium. Systematisch wird unter seiner Beteiligung das besetzte Europa ausgeplündert, werden Rohstoffe, Industrieerzeugnisse und Nahrungsmittel nach Deutschland geschafft.

Blick in Sportpalast

Berlin, Sportpalast, Februar 1943. In seiner Rede ruft Propagandaminister Joseph Goebbels die Bevölkerung zum „Totalen Krieg“ auf: „Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können?“ Zehntausende jubeln ihm zu.

© BArch, Bild 183-J05235 / Ernst Schwahn (zugeschnitten)

1943 ruft Joseph Goebbels den „totalen Krieg“ aus. Die Kriegswirtschaft bindet alle personellen und wirtschaftlichen Ressourcen. Die Menschen – hauptsächlich in den Städten – leiden unter Luftangriffen, teils völliger Zerstörung und zunehmend auch unter Hunger. Bei Kriegsende hinterlässt die nationalsozialistische Herrschaft ein zerstörtes Europa und mehr als 60 Millionen Tote.

Zerstörte Straße, Häuser in Trümmern

Am 8. Mai 1945 endet der Zweite Weltkrieg. Ein großer Teil Deutschlands ist zerstört.

© akg-images/Bildarchiv Pisarek

Zahlen und Fakten

60-70

Millionen Tote
fordert der Zweite Weltkrieg

6

Millionen Juden
werden vom NS-Regime systematisch getötet

7,5

Millionen Zwangsarbeiter
sind das Rückgrat der deutschen Kriegswirtschaft